Staatsregierung beschließt neues Tourismuspolitisches Konzept
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- Kategorie: Tourismus
- Veröffentlicht am Dienstag, 19. Oktober 2010 16:28
- Geschrieben von Redaktion Eisingen Online
Die Bayerische Staatsregierung hat heute (19.10.) ein neues Tourismuspolitisches Konzept (TPK) beschlossen. Wirtschaftsminister Martin Zeil hob in der Kabinettsitzung die große Bedeutung des Tourismus als wichtigen Arbeits- und Wirtschaftsfaktor, aber vor allem als Leitökonomie für Bayern hervor. Zeil: „Wir wollen Bayerns Spitzenposition als populärstes Reiseziel und Tourismusland Nummer 1 in Deutschland weiter festigen und ausbauen. Um dies zu erreichen, bietet das TPK allen Tourismusakteuren Orientierung und gibt Leitlinien an die Hand“.
Nach 16 Jahren, das alte Programm stammt noch aus dem Jahr 1994, sei es höchste Zeit gewesen, ein neues Konzept für diese Branche zu entwickeln und eine aktualisierte Grundlage für die mittel- bis langfristige bayerische Tourismuspolitik vorzulegen, erläuterte Zeil. Kernanliegen des Tourismuspolitischen Konzeptes sei es, dass die gesamte touristische Wertschöpfungskette von allen Beteiligten als ein einheitliches Produkt verstanden wird. Zeil: „Mit dem Konzept stellen wir die Weichen für eine positive Zukunft des Bayerntourismus. Wir müssen das Kirchturmdenken überwinden und stattdessen alle Kräfte in größeren Teams bündeln“, forderte Zeil. Bayerische Tourismuspolitik müsse von den zentralen Leitgedanken „Qualität und Wettbewerb“ bestimmt sein, nur so könne der Strukturwandel auch in diesem Bereich erfolgreich gestaltet werden.
Folgende neue Schwerpunkte setzt das Tourismuspolitische Konzept:
• Gesundheitstourismus: Entwicklung des Gesundheitstourismus sowie Vernetzung von Heilbädern und Gesundheitswirtschaft. Zwischen den bayerischen Heilbädern und Kurorten sowie dem produzierenden Gewerbe, Handel und Dienstleistern sollen strategische Allianzen geschmiedet und neue innovative Angebote entwickelt werden. Zudem soll der Medizintourismus stärker vermarktet werden, um internationale, kaufkräftige Patienten zu gewinnen.
• Stärkung des ländlichen Raums: Durch vermehrte Kooperationen zwischen Stadt und Umland soll auch der ländliche Raum künftig noch mehr vom boomenden Städtetourismus profitieren. Darüber hinaus werden die tragenden Säulen des Bayerntourismus „Urlaub auf dem Bauernhof“ sowie „Heilbäder und Kurorte“ weiter entwickelt. Im ländlichen Raum ist Urlaub auf dem Bauernhof nach den Worten von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner mittlerweile ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und wichtiges Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Tourismus: Die intensive Zusammenarbeit der Urlaubshöfe mit den touristischen Partnern und der regionalen Gastronomie sorge für einen Umsatz von jährlich 600 Millionen Euro. Auf den rund 7 000 Urlaubsbauernhöfen wurden im vergangenen Jahr rund 11,7 Millionen Übernachtungen gezählt, das ist jede zehnte in Bayern.
• Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit: Der Tourismus lebt von einer intakten Umwelt, der Klimawandel stellt den Sektor vor große Herausforderungen. Umweltminister Dr. Markus Söder hob zugleich die Bedeutung der zahlreichen bayerischen Naturschätze für die Tourismusbranche hervor. Söder: "Das Lebensland Bayern steht für einzigartige Naturreiseziele." Neben den Nationalparken zählen viele Naturparke, der Geopark im Ries, das Biosphären-Reservat Rhön, die Voralpenseen oder das europäische Schutzgebiet "Allgäuer Hochalpen" dazu. "Wir wollen die hohe Naturqualität erhalten und zugleich seltene Lebensräume von Tieren und Pflanzen für Menschen erlebbar machen - ohne die Gebiete zu gefährden", so Söder. Deshalb setzt die Bayerische Staatsregierung verstärkt auf eine umweltverträgliche Entwicklung im Tourismus. Sanfte Mobilität, Urlaub daheim, vielseitiger Wintertourismus jenseits des Skisports oder auch Gütesiegel für umweltbewusste Betriebe lauten einige Stichworte.
• Ganzheitlicher Qualitätsbegriff: Im hart umkämpften Tourismusmarkt müssen die Akteure mehr denn je auf Qualität setzen. Nur so können sie Urlauber gewinnen und auch dauerhaft halten. Die Bayerische Staatsregierung verfolgt daher Qualitätsoffensiven und Premiumstrategien. Paradebeispiel ist die Initiative „Service-Qualität Deutschland in Bayern“ des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes.
• Qualifizierung und Professionalisierung: Ohne qualifiziertes Personal läuft jedes Qualitätsversprechen ins Leere. Für Bayerns Wirtschaftsminister Zeil hat deshalb die Förderung der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Tourismus hohe Priorität. Grundpfeiler bleibt die duale Ausbildung, drei neue Berufsfachschulen für Hotel- und Tourismusmanagement ergänzen das Angebot. Die Branche trägt Verantwortung für die Gestaltung eines attraktiven Arbeitsumfeldes und das Image der Tourismusberufe.
• Demografische Entwicklung: Die demografischen Veränderungen sollen berücksichtigt und Maßnahmen eingeleitet werden, um alle Menschen am Tourismusgeschehen teilhaben zu lassen. Das bedeutet: Barrierefreiheit wird ein Qualitätsmerkmal der Zukunft sein, damit auch ältere Gäste und Menschen mit Behinderung Urlaub machen können. Für Familien gibt es in Bayern schon jetzt zahlreiche bedarfsgerechte Angebote. Diesen Weg gilt es konsequent weiter auszubauen.
• Marketing: Professionelle Weiterentwicklung des Tourismusmarketings: Bayern ist mit der Bayern Tourismus Marketing GmbH (kurz by.TM) sehr gut aufgestellt. Die Kombination aus Marketing für Produktlinien sowie Jahreszeitenkampagnen ist im Ländervergleich führend. Beispielhaft ist der innovative „Instrumentenkasten“ zur Erschließung und Pflege ausländischer Zielmärkte. Die Bayerische Staatsregierung unterstützt die by.TM sowie die vier regionalen Tourismusverbände dabei, ihr schlagkräftiges und effizientes Marketing weiter zu verbessern.
• Bündelung in größeren Einheiten: Regionale Vielfalt ist ein Markenzeichen des Bayerntourismus. Sie belebt den Wettbewerb und stärkt die Widerstandskraft gegen Krisen. Dennoch müssen künftig auch überregionale Kooperationen in den Fokus gerückt werden. Gemeinde- oder Landkreisgrenzen interessieren den Gast nicht. Deshalb sind Konzepte und Teams erforderlich, die über den regionalen und lokalen Tellerrand hinausreichen.
• Neue Medien: Zeitgemäße Technologien und Kommunikationsformen können dem Tourismus in Bayern neue Schubkraft verleihen. Ob Online-Marketing oder App-Angebote für die Smartphones der Gäste – bei der Akquise und der Betreuung von Urlaubern müssen sich die Verantwortlichen in der Tourismusbranche dem Zeitgeist stellen und neue Trends aufgreifen.
Mit einem Bruttoumsatz von rund 25 Milliarden Euro pro Jahr sichert der Tourismus das Einkommen von mehr als 560.000 Arbeitnehmern in Bayern. Als beschäftigungsintensive, mittelständisch geprägte Branche ist er zudem ein wichtiger und überwiegend standortgebundener Arbeitgeber. Nicht zuletzt lenkt der Tourismus in allen sieben Regierungsbezirken kaufkräftige Nachfrage in den ländlichen Raum: Rund 70 Prozent der Übernachtungen in Bayern finden dort statt. Aktuell befindet sich der Tourismus im Aufwärtstrend: In den ersten acht Monaten des Jahres kamen mit 18,9 Mio. Ankünften und einem Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr so viele Gäste wie noch nie im vergleichbaren Zeitraum nach Bayern. Auch die Zahl der Übernachtungen hat im gleichen Zeitraum stark angezogen mit einem Zuwachs von 3,5 Prozent auf 53,2 Mio. Die bayerischen Wachstumsraten liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Wirtschaftsminister Zeil betonte, dass Bayern auf eine wirkungsvolle Mischung aus klassischem Erholungs- und Aktivurlaub, Gesundheitsurlaub und Kur, Natururlaub, Kultur- und Bildungsurlaub, Geschäftsreise-, Tagungs- und Event- sowie Tagestourismus setzt. Zeil: „Die vielfältige Struktur des Freistaats – von ländlich bis großstädtisch geprägten Regionen – bietet dafür eine hervorragende Grundlage. Bayern ist zu jeder Jahreszeit ein bevorzugtes Urlaubsland – für in- und ausländische Gäste. Diese Beliebtheit gilt es zu festigen und auszubauen. Denn der Tourismus ist nicht nur ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, sondern auch identitätsstiftender Werbeträger und eine Querschnittsaufgabe mit vielfältigen kulturellen und sozialen Verflechtungen – eben eine Leitökonomie.“
Bayerische Staatsregierung - Auszug aus der PM vom 19.10.2010
















